Norddeutsche Neonazis greifen Journalisten in Berlin an

Vergangenen Samstag haben Neonazis aus Norddeutschland in Berlin Journalisten angegriffen. Marcel Jacobs versuchte einem Journalisten das Handy zu rauben und damit zu flüchten, wurde allerdings von der Polizei festgenommen.
Jasper Griebel sicherte ihm dabei den Rückzug und griff weitere zur Hilfe kommende Journalisten mit Faustschlägen an. Griebel konnte nach dem Angriff entkommen. Die beiden Täter Marcel Jacobs aus Hamburg-Bergedorf und Jasper Griebel aus Ahrensburg, im Kreis Stormarn (Schleswig-Holstein) sind bereits seit Längerem bekannt. Zu ihnen gehört ebenso Ragnar Meyer aus Ahrensburg, der mit Griebel die gleiche Schule besuchte.

Marcel Jacobs und Jasper Griebel (in beige Hosen) vor der Tat in Berlin (Bild: Vue Critique)

Marcel Jacobs (Mitte) auf verschwörungsideologischer Demo am 06.11.21 in Hamburg (Bild: Pixelarchiv.org)

Ragnar Meyer und Jasper Griebel besuchten mehrmals ab 2018 die rechten “Merkel muss Weg”-Kundgebungen in Hamburg. Auf den teils wöchentlichen Versammlungen wurde von extrem Rechten und AfD-Funktionären rassistische Hetze gegen Geflüchtete, Medien und Politiker*innen betrieben.

Ragnar Meyer und Jasper Griebel bei “Merkel-muss-weg”-Kundgebung am 14. April 2019 (Bild: Pixelarchiv.org)

Ragnar Meyer vor Jasper Griebel am 29. September 2019 bei “Merkel-muss-weg”-Kundgebung (Bild: Pixelarchiv.org)

Seit Anfang 2020 versuchen sich die Drei in Hamburg und darüber hinaus zu organisieren, auf der Suche nach immer militanteren Kreisen. Angefangen mit dem Label “Junge Patrioten Hamburg” wechselten sie später zu “Patrioten der Zukunft Stormarn und Umgebung” und versuchten über Telegram Gruppen neue junge Leute zu rekrutieren. Häufig verabredeten sie sich, um gemeinsam Kampfsport zu trainieren oder extrem rechte Sticker in Hamburg oder dem Umland zu verkleben. Bei diesen Propaganda-Touren führte Jasper Griebel, der einen kleinen Waffenschein besitzt und im Schützenverein aktiv ist, eine Gas- oder Schreckschusspistole bei sich, die er bereits gegen Antifaschist*innen eingesetzt hat.

Über ihre Telegram Gruppe organisierte die gewaltsuchende Gruppe auch sogenannte “Hausbesuche”. Ein Mitglied schlägt am 12. Juni 2020 vor: “Ich hätte was anderes in Hamburg. Ein Typ bedroht die Freundin meines Vaters, ich hab die Adresse und so weiter”. Ein anderes Mitglied antwortet “ZCKN BXN” (Meint: “Zecken Boxen”). Der Neonazi bestätigt und fügt hinzu “Falls wer mit möchte, Schwarz anziehen und eine Maske + Handschuhe tragen (Emoji Faustschlag) danach grillen wir im Garten (Emoji Faustschlag)”. Im Anschluss werden Gewaltvideos der faschistischen Azow-Miliz geteilt.

Zur Zeit betreibt die Gruppe die Telegram-Kanäle “Frei Deutschland Bewegung” und “SRArts – REVOLT CREW”. Dort propagieren sie mit modernen Grafiken ihre Kampfbereitschaft und werben für eine Nationale Revolution. Mit Zitaten und Bildern ihrer Vorbilder, wie den NSDAP-Politikern Ernst Röhm und Otto Strasser verbreiten sie ihre Ideologie in sozialen Netzwerken. Dem “White Supremacy” Anhänger Kyle Rittenhouse, der 2018 zwei “Black Lives Matter” Aktivisten in den USA erschoss, verehren sie mit dem Beitrag “Protect your homeland!”.

Telegram-Kanal “Frei Deutschland Bewegung”

Marcel Jacobs fiel bereits Anfang 2020 auf als er in seiner Nachbarschaft das extrem rechte Compact Magazin verteilte. Später hat sich Jacobs dem extrem rechten Onlineportal “Die Rote Fahne” angeschlossen und verbreitet dort unter dem Label Antifaschismus antisemitische Propaganda. Bei Facebook liked er neben den Rappern “Taktikka” und “Chris Ares” auch “Revolt NS”.

Jasper Griebel, der bei der “Jungen Alternative” in Schleswig-Holstein organisiert ist, teilt über Soziale Medien Videos von russischen Neonazis, die mit Waffen militärische Einsatztaktiken trainieren. Regelmäßig besuchen die Neonazis verschiedene verschwörungsideologische Aufmärsche in Hamburg aber auch überregional. Dort suchen sie oft Anschluss an die besonders radikal auftretenden Gruppen oder Persönlichkeiten. Marcel Jacobs posierte beispielsweise am 30.Mai 2020 in Berlin neben den Holocaust-Leugner Atilla Hildmann.

Atilla Hildmann mit Marcel Jacobs am 30. Mai 2020 in Berlin

Insbesondere die größeren Berlin-Aufmärsche, die mit der Chiffre “Tag-X” propagiert werden, zogen die jungen Neonazis an. So nahmen Ragnar Meyer, Marcel Jacobs und Jasper Griebel am 29. August 2020 in Berlin an dem Sturm auf die Treppen des Reichstags teil.

Jasper Griebel (mitte) und Ragnar Meyer (rechts) am 29.08.2020 in Berlin (Bild: Pixelarchiv.org)

Jasper Griebel (links) und Marcel Jacobs (rechts) am 29.08.2020 in Berlin (Bild: Pixelarchiv.org)

Wenige Tage zuvor, am 15. August 2020 nahmen Jasper Griebel und Ragnar Meyer an einer internen Veranstaltung der “Jungen Alternative” in Eutin teil. Eine 11-köpfige Gruppe wanderte unter dem Motto “Gemeinsam Heimat (er)leben!” um den Eutiner See. Ebenfalls dabei Leif Kulina Vorstandsmitglied der Jungen Alternative Schleswig Holstein.

15.08.2020 Junge Alternative Eutin

Junge Alternative Eutin: Jasper Griebel (3.v.l), Leif Kulina (Rotes Polo), Ragnar Meyer (2.v.r.) am 15.08.2020

In Hamburg suchen die jungen Männer Nähe zu der Truppe um den Neonazi Thomas Gardlo. Im März 2021 hielt sich Jasper Griebel gemeinsam mit Leif Kulina, sowie Andreas Karsten von der “Identitären Bewegung” stets im Umkreis der Gardlo-Truppe auf.

Leif Kulina (links) und Jasper Griebel (rechts) am 13.03.2021 in Hamburg (Bild: Pixelarchiv.org)

Leif Kulina (links), Jasper Griebel (2.v.l.) Andreas Karsten (mitte) am 13.03.2021 in Hamburg (Bild: Pixelarchiv.org)

Ragnar Meyer (links), Jasper Griebel und Leif Kulina im Gespräch über Flyer am 09.05.2020 in Hamburg (Bild: Pixelarchiv.org)